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27.02.2019   Regelkunde

Golfregeln 2019 in der Praxis: Der Drop und die möglichen Folgen

Von wegen, einfach den Ball fallen lassen...

Bei einem PGA-Turnier im Januar 2019 wollte Jordan Spieth einen Ball aus Schulterhöhe droppen, wurde aber vorher von einem Offiziellen daran erinnert, das er das jetzt aus Kniehöhe durchführen muss.

Der Drop wurde dann auch regelkonform durchgeführt - und letztendlich wäre alles gut gewesen. Jordan Spieth hat dann allerdings hinterher darüber gesagt, das er das nicht verstehen würde. Denn durch das Droppen aus Schulterhöhe würde er sich keinen Vorteil gegenüber dem Droppen aus Kniehöhe verschaffen.

Ja, das könnte man so sehen. Aber - es gibt natürlich die konkreten Regelauslegungen damit diese dann auch eingehalten werden. Denn wenn jeder Spieler bei jeder Regel entscheiden könnte, ob er sich nun einen Vorteil verschafft oder nicht, und die Regeln dann entsprechend eigenmächtig abändert - dann dürfte es wohl insgesamt mit den Regeln problematisch werden.

Man könnte allerdings an Jordan Spieth auch folgende Frage stellen: Er ist Profi-Spieler, und die Regeländerungen waren seit über einem Jahr im Wesentlichen bekannt. Wenn ihm der neue Dropvorgang nicht gefällt, hätte er beizeiten versuchen können darauf Einfluss zu nehmen. Er hat da wohl die besseren Möglichkeiten als ein Normalgolfer.

Generell muss man aber sagen: je niedriger die Höhe ist wenn der Ball gedroppt wird, desto weniger rollt er durch die Gegend. Also ist Kniehöhe besser als Schulterhöhe.

Der Drop und die Regeln

Aber zurück zum konkreten Regelfall. In den Kommentaren zu dieser Szene war dann die Rede davon, dass sich Jordan Spieth einen Strafschlag zugezogen hätte, wenn er aus Schulterhöhe gedroppt und den Ball dann gespielt hätte.

Dazu ein klares „Jaein“…
Es kommt nämlich noch darauf an, wo der Ball nach dem Droppen hingerollt wäre. Der neue Erleichterungsbereich beim Droppen ist in den neuen Regeln erheblich kleiner als vorher, nämlich nur noch ein Radius von einer Schlägerlänge (längster Schläger im Bag, mit Ausnahme des Putters).

Während der Ball vorher noch eine Schlägerlänge zusätzlich aus dem Erleichterungsbereich herausrollen durfte, ist das jetzt nicht mehr zulässig. Rollt der Ball jetzt heraus, muss der Drop (straflos) wiederholt werden.

Würde man einen Ball aus Schulterhöhe droppen, ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, das der Ball aus dem jetzt zulässigen kleineren Erleichterungsbereich herausrollen würde.

Und dann kann das mit den Strafen wie folgt aussehen:

- Der Ball wurde falsch gedroppt, das wurde nicht korrigiert (was übrigens jederzeit straflos erfolgen kann).
Stattdessen wurde der Ball gespielt = ein Strafschlag, weil falsch gedroppt wurde.

- Der Ball wurde zwar nach Regel aus Kniehöhe gedroppt, rollt dabei aber aus dem zulässigen Erleichterungsbereich heraus (Radius eine Schlägerlänge).
Das wird nicht korrigiert (was durch einen erneuten Drop straflos möglich ist) = die sogenannte Grundstrafe (also zwei Strafschläge), weil der Ball vom falschen Ort gespielt wurde.

Sie können sich sicher denken was jetzt kommt:

- Jordan Spieth hätte den Ball falsch aus Schulterhöhe gedroppt, und deshalb wäre der Ball eventuell auch noch aus dem Erleichterungsbereich herausgerollt.
Dann hätte er (wenn er beides nicht korrigiert und stattdessen den Ball spielt) - nein, NICHT drei Strafschläge bekommen – das wäre jetzt ja wohl zu einfach, die beiden Strafen zu addieren.

Es gibt lauf Golfregeln nämlich Mehrfachvergehen bei denen die Strafschläge addiert werden - oder eben auch nicht addiert werden.
In diesem Fall wären die Strafschläge nicht addiert worden, und er hätte auch dafür insgesamt zwei Strafschläge bekommen.

Wenn wir jetzt im Fall Jordan Spieth alle Möglichkeiten nach dem Motto „was wäre wenn“ berücksichtigen, hätte er also einen oder zwei Strafschläge bekommen können.

Um ganz ehrlich zu sein: manchmal mache auch ich mir gar nicht erst die Mühe, das alles im Detail tatsächlich zu wissen.
Wenn es jetzt nicht gerade ein Lochspiel ist, dann ist es nämlich kein Problem, die Anzahl der Strafschläge erst nach der Runde zu klären - aber natürlich vor der Abgabe der Scorekarte. Letztendlich gibt es dafür auch die Spielleitung, die man für solche Fälle hinzuziehen kann.

Wann muss der Drop wiederholt werden

Wenn der Ball nicht aus etwa Kniehöhe gedroppt wird, egal ob deutlich höher oder tiefer, MUSS der Drop wiederholt werden (straflos). Und das so lange, bis man endlich weiß in welcher Höhe sich das Knie befindet.

Wenn der Ball nach dem Droppen näher zur Fahne liegt als die Stelle, von der man den Ball aufgenommen hat, MUSS der Drop auf jeden Fall wiederholt werden (straflos).

Wenn man sich selber, andere, die eigene oder fremde Ausrüstung beim droppen mit dem Ball trifft, MUSS der Drop wiederholt werden (straflos) - und zwar so lange bis man es schafft, nichts davon zu treffen.
Das gilt übrigens nicht für Tees, mit denen man eventuell den Erleichterungsbereich abgesteckt hat. In diesem Fall gilt das Tee nämlich nicht als Ausrüstung und darf folgenlos berührt werden. Das gilt u.a. auch für Münzen.

Wenn der Ball zuerst außerhalb des Erleichterungsbereich den Boden berührt, MUSS der Drop so lange wiederholt werden (straflos), bis man es schafft, zuerst den Erleichterungsbereich zu treffen. Das gilt auch dann, wenn der Ball von außerhalb anschließend im Erleichterungsbereich zur Ruhe kommen würde.

Wenn der Ball zuerst im Erleichterungsbereich den Boden berührt, anschließend aber herausrollt, MUSS der Drop wiederholt werden (straflos).
Achtung: wenn der Ball dann beim zweiten Drop wieder zuerst im Erleichterungsbereich den Boden berührt, und dann wieder herausrollt, DARF NICHT neu gedroppt werden.
Denn dann MUSS der Ball aufgehoben werden und an die Stelle GELEGT werden, wo der Ball im Erleichterungsbereich beim zweiten Drop zuerst den Boden berührt hat (straflos).
Diese "Notbremse" gibt es deshalb, falls der Ball auf abschüssigem Gelände gedroppt wird, wo er wahrscheinlich nie liegen bleiben würde.
Also: zweimal herausrollen = dann hinlegen. Und alles ist straflos.

Der Spieler selber muss übrigens beim Droppen nicht im Erleichterungsbereich stehen.

Erst wenn man sich nicht an die oben genannten Vorgehensweisen halten will, muss man sich aus den noch weiter oben aufgeführten Strafschlagvarianten die zutreffende Strafschlaganzahl zusammenstellen.

Schlägerlänge beim Droppen

Da es dazu bereits Nachfragen gegeben hat, nachfolgend eine kurze Erläuterung.
Laut neuer Regel darf man zur Ermittlung des Radius für den Erleichterungbereich den längsten Schläger nehmen, der sich im Bag befindet – es darf aber auf keinen Fall der Putter sein. Damit sind die überlangen Putter nämlich ausgeschlossen, und stattdessen wird es für die meisten der Driver sein.

Es darf der längste Schläger sein – muss es aber nicht. Es ist also straflos, wenn man statt des Drivers das Eisen 9 nimmt. Ist aber komplett sinnlos, weil es die Sache damit nur unnötig kompliziert macht.

Wenn der Ball nämlich nach dem Droppen aus dem Radius des Eisen 9 herausrollen würde, könnte man nachträglich den Driver zur Radiusermittlung anhalten. Ist der Ball dann noch innerhalb des Radius vom Driver, darf der Ball trotzdem gespielt werden wie er liegt. Es dürfte deshalb wohl mehr als sinnvoll sein, gleich den längsten Schläger aus dem Bag zu benutzen.

Wenn man selber keinen Driver im Bag hat, darf man übrigens NICHT den Driver eines Mitspielers verwenden. Gemeint ist immer der längste Schläger im eigenen Bag.

Also manchmal ist es auch der Spieler selbst, der es schafft, einfache Regeln unnötig kompliziert zu machen.

Ein Tipp für das Droppen aus Kniehöhe, der sich in der Praxis bewährt hat:

Wenn man die Hand mit dem Ball auf Kniehöhe hält, dann nicht mit dem Oberkörper immer weiter nach vorne beugen um den Ball fallen zu lassen - das gibt „Rücken“.
Stattdessen einfach den Körper leicht zur Seite neigen und den Arm ebenfalls zur gleichen Seite bewegen.
Das schont nicht nur den Rücken, sondern es sieht auch eleganter aus – und vor allem kann der herabfallende Ball nicht den eigenen Schuh an der Spitze treffen.

Und wenn wir jetzt so weitermachen, dann nimmt das hier gar keine Ende mehr. Sie erinnern sich: das alles haben wir nur Jordan Spieth zu verdanken.
Aber jetzt nicht verrückt machen lassen, denn der Dropvorgang ist normalerweise ganz einfach: Ball aus Kniehöhe fallen lassen, der Ball bleibt im Erleichterungsbereich liegen, Ball spielen... - Fertig. (Ni)



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