Vom Winde verweht- und vom kurzen Platz kurz gehalten!
Es gibt Tage im Golf, an denen der Wind ein Mitspieler ist. Und dann gibt es Tage wie diesen in Moyland, an denen er beschließt, gleich die ganze Mannschaftsaufstellung zu übernehmen. Leider blies der Wind launisch, und vor allem blies er unseren Bällen erstaunlich lange ins Gesicht. Öfter, als uns lieb war, standen die Kugeln oben im Wind wie ein unentschlossener Fahnenmast – schön anzusehen, nur leider selten da, wo wir sie hinbestellt hatten. Der Wind hat an diesem Tag mehr Bälle bewegt als wir. Und das will bei unserer Schlagzahl etwas heißen.
Dabei gilt der Platz des LGC Schloss Moyland gemein-hin als kurz. Was uns niemand gesagt hatte: Mit Wind wird ein kurzer Platz plötzlich noch kürzer als gedacht – nur leider für den Ball, nicht für die Runde. Drives, die bei Windstille aufs Grün geflirtet hätten, wurden in der Luft abgefangen, kurz verhört und deutlich vor dem Ziel wieder abgesetzt. Wo andere Mannschaften auf den kurzen Bahnen Birdie-Chancen witterten, witterten wir 🤷♂️ Aus der Theorie „kurzer Platz, kurze Scores“ wurde in der Praxis „kurzer Platz, kurzer Prozess“.
CHRONIK EINES ANGEKÜNDIGTEN MITTELFELDS, DAS DANN DOCH KEINS WURDE
Man muss es so deutlich sagen: Als Aufsteiger haben wir uns an diesem Tag redlich bemüht, dem Ruf des Aufsteigers gerecht zu werden – also dem schlechten. Die Grüns waren lesbar, aber wir haben offenbar in einer anderen Sprache geputtet. Die Fairways waren breit genug, wir haben trotzdem die landschaftlich reizvolleren Routen gewählt. Und das kurze Spiel war an diesem Tag vor allem eines: kurz. Zu kurz. Chronisch zu kurz. Irgendwann hätte man die Fahne auch einfach direkt vor uns hinlegen können, wir hätten sie trotzdem angerollt wie einen scheuen Igel.
„Vorletzter klingt schlimmer, als es ist. Es ist die Position mit dem besten Blick nach unten – und da liegt zum Glück jemand anderes.“
Denn das ist die eigentliche Nachricht des Tages, und sie ist – bei aller Galgenheiterkeit – eine gute: Der Abstand zum Tabellenletzten ist komfortabel. Nicht „ein Putt Vorsprung“, sondern „ein ganzer sicherer Puffer“. Wer im Jahr eins nach dem Aufstieg die Gruppe hält, hat seinen Job gemacht. Alles andere ist Kosmetik. Und Kosmetik war an diesem Tag in Moyland ohnehin nicht unsere Disziplin.
ERKENNTNISSE DES TAGES
Erstens: Wenn der Ball länger in der Luft steht als die Vorfreude auf den nächsten Schlag, sollte man ein Eisen mehr nehmen. Oder zwei. Oder den Golfsport überdenken. Zweitens: Ein kurzer Platz mit Wind ist wie ein kleiner Hund mit schlechter Laune – die Größe täuscht. Drittens: Man kann Vorletzter werden und trotzdem als moralischer Sieger vom Platz gehen – man muss nur die Tabelle von unten lesen. Und viertens, die vielleicht wichtigste Erkenntnis: Die Mannschaft lebt. Sie leidet zusammen, sie lacht zusammen, und sie weiß, dass am Ende der Saison nicht die schönste Runde zählt, sondern die Zeile „Klassenerhalt“.
Schloss Moyland bleibt uns als malerische Kulisse in Erinnerung – ein Ort, an dem Kunst und Kultur zu Hause sind. Wir haben unseren Teil beigetragen: Unser Golf an diesem Tag war definitiv Avantgarde. Nicht jeder hat es verstanden, aber genau das zeichnet große Kunst ja aus.
Am Ende gilt, was immer gilt: Wir kommen wieder. Der Puffer nach unten steht, das Ziel ist klar, und die nächste Runde ist bekanntlich immer die beste des Lebens. Bis dahin: Kopf hoch, Wedges schärfen – und vielleicht ein kleines Dankgebet an den Tabellenletzten, der uns die Aussicht so angenehm gestaltet.
So, nun zum Ratespiel des Tages! Wer verdammt noch mal ist der Kerl auf dem Foto?
