GC Hünxerwald empfängt die Liga und schickt sie mit einer Lehrstunde nach Hause
| TAGESWERTUNG Platz 1 | VORSPRUNG AUF LETZTEN 9 Punkte | SAISONZIEL Erreicht |
Manche Mannschaften brauchen die ganze Saison, um zu verstehen, wie ihr eigener Platz funktioniert. Wir haben es geschafft – nur eben erst beim Heimspiel. Dafür dann aber richtig. Was die Gäste an diesem Tag in Hünxe erlebt haben, war keine Runde Golf, das war eine Führung durch unser Wohnzimmer, inklusive Hinweis darauf, wo die guten Möbel stehen und wo man besser nicht hintritt. Ergebnis: Tagessieg. Platz eins. Punkt.
Es ist ein seltsames Gefühl, wenn nach Wochen des tapferen Leidens plötzlich alles funktioniert. Die Abschläge lagen, wo sie liegen sollten. Die Annäherungen waren nicht kurz, nicht chronisch kurz, sondern – man muss es aussprechen – angemessen lang. Und die Putts fielen. Nicht alle, wir wollen ja nicht arrogant werden, aber genug, um den Gästen die Stimmung nachhaltig zu ruinieren. Der Platz wurde gerockt, und zwar von der ersten Bahn an.
HELD DES TAGES: CHRISTIAN
1. Brutto und 1. Netto. Beides. An einem Tag. Für alle, die es nicht so mit Golf haben: Das ist ungefähr so, als würde man beim Familienfest gleichzeitig das beste Essen kochen und die schönste Tischrede halten – während alle anderen noch überlegen, wo die Servietten liegen. Christian hat an diesem Tag nicht mitgespielt, er hat moderiert.
Man muss dazusagen: Es gibt Leute, die gewinnen Brutto, weil sie einfach gut Golf spielen. Es gibt Leute, die gewinnen Netto, weil ihr Handicap sie freundlich unterstützt. Und dann gibt es Christian, der beides in derselben Runde mitgenommen hat und danach vermutlich so tat, als sei nichts gewesen. Genau diese Bescheidenheit macht es für den Rest der Mannschaft übrigens noch schlimmer. Ein bisschen Angeberei hätten wir ihm gegönnt, dann könnten wir jetzt wenigstens lästern.
DIE TABELLE, ODER: ENTSPANNT VORLETZTER
Und weil ein guter Spielbericht auch die Wahrheit verträgt: In der Gesamtwertung sind wir nach wie vor Vorletzter. Allerdings – und das ist der entscheidende Zusatz – souverän Vorletzter. Neun Punkte Vorsprung auf den letzten Platz sind kein Zitterabstand, das ist ein Sicherheitsabstand mit Leitplanke, Standstreifen und Blick auf die Sonnenterrasse.
„Wir sind Vorletzter. Aber wir sind der entspannteste Vorletzte, den diese Liga je gesehen hat.“
Damit ist das Saisonziel erreicht, und zwar rechnerisch, tabellarisch und emotional: kein Abstieg in der ersten Saison in Liga 5. Wer aufsteigt, muss sich erst einmal beweisen. Wir haben uns bewiesen – manchmal schmerzhaft, manchmal im Wind, manchmal auf zu kurzen Plätzen, die dann noch kürzer wurden. Aber am Ende steht da, was zählen sollte: Wir bleiben, wo wir sind. Und das ist bei einem Aufsteiger die schönste Nachricht überhaupt.
AUSBLICK: SCHLOSS HORST
Bleibt das letzte Spiel der Saison auf Schloss Horst. Und da können wir schon jetzt eine sportliche Ansage machen: Wir werden komplett entspannt und relaxt sein. Kein Rechnen, kein Tabellenblick, kein nervöses Nachzählen von Punkten auf dem Heimweg. Nur Golf, Sonne (bitte), Mannschaft und die angenehme Gewissheit, dass unten nichts mehr passieren kann.
Das ist übrigens der gefährlichste Zustand, den es im Golf gibt: ein Team ohne Druck. Schloss Horst sei gewarnt. Wer nichts mehr zu verlieren hat, schlägt bekanntlich am freiesten – und wenn Christian dann auch noch in Laune ist, sollten dort vorsichtshalber schon mal zwei Pokale poliert werden.
Bis dahin: Kopf hoch, Schläger raus, und einmal kurz genießen. Wir sind angekommen.
